Was gibt es bei der Vorbereitung auf die Reit-Turniersaison zu beachten?

Eine erfolgreiche Turniersaison steht und fällt mit der richtigen Vorbereitung. Unser Kundenmagazin Landflair hat die Dressurreiterin Patricia Bijak befragt, wie sie die Turnierzeit meistert und worauf es zu achten gilt.

Hat man genug trainiert und kann man die Aufgaben gelassen meistern? Ist das Pferd mental fit und arbeitswillig? Wie geht man mit Stresssituationen um? Und was gibt es kurz vor dem Turnier alles zu erledigen? Wer sich im Turnier voll und ganz auf seine Prüfungen konzentrieren will, sollte sich gründlich vorbereiten.

Patricia Bijak, Dressurreiterin der Klasse S, empfiehlt eine Turnier-Checkliste, die alle wichtigen Punkte rund um das benötigte Equipment für Pferd und Reiter abhakt. In den Tagen zuvor steht zudem alles an, was bereits im Reitstall erledigt werden kann. Das Wichtigste aber ist, dass es dem Pferd gut geht. Und dafür geht Patricia Bijak auch mal ungewöhnliche Wege.

Das Wichtigste ist das Wohlbefinden des Pferdes Patricia Bijak – bei der AGRAVIS Raiffeisen AG im Category Management Reitsport für den Einkauf zuständig – reitet seit ihrem siebten Lebensjahr. Heute ist sie Reiterin von drei Pferden, darunter der neun Jahre alte Wallach Dancing Empire, genannt Louis, mit dem sie seit 2015 M-Dressuren reitet. Ihr Ziel in diesem Jahr ist es, erste Erfahrungen in der schweren Klasse zu sammeln.

LandFlair: Jetzt im Frühjahr geht die Turniersaison wieder los. Wann haben Sie mit der Vorbereitung begonnen?

Bijak: Eigentlich nach dem Ende der letzten Saison. Den Winter habe ich genutzt, um mich auf die Lektionen und Aufgaben der Klasse S vorzubereiten und an unseren Schwächen der Klasse M zu arbeiten. Dazu habe ich mindestens einmal die Woche mit meinem Reitlehrer Jörg Jacobs, Leiter der Westfälischen Reit- und Fahrschule in Münster, trainiert.

LandFlair: Und wie sieht dieses Training aus?

Bijak: Ich habe es mir angewöhnt, mit Gymnastikübungen auf dem Pferd zu beginnen. Das hat sich sehr bewährt. Ich mache in der Schritt-Aufwärmphase Lockerungsübungen mit den Schultern, den Armen und den Beinen. Dadurch ist mein Sitz viel besser und vor allem lockerer geworden. Erst dann löse ich das Pferd im Vorwärts-abwärts-Reiten und beginne danach mit der Arbeitsphase, in der ich die Dressurlektionen mit einbaue. Und zum Schluss wird Louis noch mal im Vorwärts-Abwärts gelöst und vor allem gelobt. Also ganz klassisch.

LandFlair: Wie halten Sie Ihr Pferd fit für die Turniersaison?

Bijak: Mit einem abwechslungsreichen Training, in dem sich das Pferd frei entfalten kann. Sehr wichtig sind das Gelände, Cavaletti-Springen, tägliche Weidegänge und auch freie Tage. Denn das Wohlbefinden und das abwechslungsreiche Training des Pferdes sind für mich das Wichtigste. Viele, die Dressur reiten, machen oft ein sehr einseitiges Training, um das Pferd keinem Verletzungsrisiko auszusetzen. Das halte ich für einen Fehler. Es tut dem Pferd nicht gut und die Verletzungsgefahr ist größer, wenn man das Pferd in Watte packt. Im vergangenen Jahr war ich mit Louis nach der Turniersaison sogar auf Norderney und das hat uns beiden richtig gutgetan.

LandFlair: Die Beziehung zwischen Pferd und Reiter spielt sicher eine zentrale Rolle für die Turniererfolge.

Bijak: Ja, absolut. Nur wenn beide zusammenpassen und volles Vertrauen da ist, kommt man auf den Turnieren weiter und hat Erfolg. Dazu gehört natürlich auch, dass sich das Pferd dem Reiter unterordnet und der Reiter selbstsicher mit dem Pferd umgeht.

LandFlair: Wie bereiten Sie sich und Louis konkret auf die Turniere vor?

Bijak: Ich arbeite natürlich regelmäßig an den Lektionen, die in der zu reitenden Klasse verlangt werden. Dann gewöhne ich Louis an verschiedene Situationen, die auf Turnieren auftreten können. Zum Beispiel an Flatterbänder, Regenschirme oder an Hunde, die zwischen den Beinen hindurchlaufen können. Teilweise trainiere ich auch im Reitunterricht mit lauter Musik. Sehr wichtig ist aber das Verladetraining, vor allem bei jungen Pferden.

Was gibt es bei der Vorbereitung auf die Reit-Turniersaison zu beachten?

LandFlair: Wie trainieren Sie das?

Bijak: Ich habe Glück, ich muss nicht viel trainieren. Mit einem Leckerchen führe ich Louis, aber auch meine anderen Pferde, auf den Anhänger, und sie gehen mit. Man darf nicht viel darüber nachdenken, dass es nicht klappen könnte. Pferde spüren diese Angst. Man muss sich einfach sicher sein und das Pferd draufführen.

LandFlair: Ändern Sie während der Turniersaison die Ernährung für das Pferd?

Bijak: In der Regel nicht. Ich füttere das ganze Jahr überDERBY® Dressage, eine Müslimischung speziell für Dressurpferde. Zusätzlich gebe ich ihmDERBY® Leinöl. Wenn nötig, erhöhe ich während der Turniersaison die Rationen und gebe an sehr heißen Tagen zusätzlichElektrolyte hinzu.

LandFlair: Und wenn das Turnier dann kurz bevorsteht?

Bijak: Dann geht es darum, an alles zu denken. Die Gerte ist zum Beispiel etwas, das man gern vergisst. Sowohl zu Hause als auch auf dem Turnier. Damit das nicht passiert, arbeite ich mit einer Checkliste und hake das gesamte Equipment, das ich fürs Turnier brauche, für mich und Louis Punkt für Punkt ab. Bereits einen Tag vorher packe ich dann den Wagen und den Anhänger und passe dieKopfnummer des Pferdes an. Für das Turnier selbst habe ich einen genauen Zeitplan. Wann muss ich losfahren? Wann muss ich vor Ort sein? Wann muss ich beginnen, das Pferd abzureiten?

LandFlair: Sie haben das Equipment erwähnt. Worauf gilt es hier zu achten?

Bijak: In erster Linie auf den Sattel. Der Sattel ist das A und O. Wenn man sparen will, dann auf keinen Fall am Sattel. Denn mit einem schlecht sitzenden Sattel kann sich das Pferd nicht frei und locker entfalten. Dann ist natürlich die Ausstattung für die Sicherheit wichtig, vor allem für den Reiter der passendeReithelm und für das Pferd der passendeBeinschutz.

LandFlair: Und wenn das Turnier vorbei ist?

Bijak: Dann machen Louis und ich erst einmal einen Tag Pause, bevor es mit dem Training weitergeht und am nächsten Wochenende das nächste Turnier ansteht.