WAS MACHE ICH MIT DER SCHURWOLLE VON SCHAFEN - SCHURWOLLE VERARBEITEN

Handarbeit liegt wieder voll im Trend! Ob Nähen, stricken, weben oder filzen, immer mehr Menschen möchten Ihre eigenen Produkte erschaffen und gestalten. Wie Sie die Schurwolle von Schafen verarbeiten können und welche kreativen Verwendungsmöglichkeiten sich für die Wolle anbieten, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

WISSENSWERTES ÜBER SCHURWOLLE

Schurwolle ist eine Naturfaser, die aus dem Ober- und Unterfell eines frisch geschorenen Schafs oder eines anderen Tieres gewonnen wird. Andere Wolle wird aus alten Textilien oder aus alten Fellen gewonnen und nicht immer - wie bei Schurwolle - unmittelbar vom lebenden Tier.

Das Naturprodukt Schurwolle zeichnet sich durch eine optimale Wärmeregulation und einem hohen Tragekomfort aus und hat so einige Vorteile gegenüber synthetischen Fasern zu bieten. Zum einen bietet Wolle einen sehr guten Schutz gegen Nässe. Durch die Verbindung zwischen den beiden Faserteilen, der Außenhülle, der „Cuticula“ und dem Faserstamm, dem „Cortex“ wirkt Wolle wasserabstoßend.

Obwohl die Wolle sich lange trocken auf der Haut anfühlt, können die Fasern Wasserdampf speichern. Mit der Folge, dass die Wolle dann deutlich schwerer wird und lange zum Trockenen braucht. Zum anderen hat Wolle aufgrund des Zusammenspiels der beiden Faserteile, die Fähigkeit sich selbst zu reinigen. Durch die Bewegung der Wollfasern bei der Aufnahme so wie bei der Abgabe von Feuchtigkeit, wird der Schmutz auf der Oberfläche der Wolle abgestoßen. Darüber hinaus kann Wolle schädliche Chemikalien absorbieren und neutralisieren, dies gilt auch für Zigarettenrauch. Wolle riecht aus diesem Grund selten unangenehm. Zu guter Letzt ist Wolle nur schwer entzündbar und wirkt antistatisch. Der Wollpulli ist also der perfekte Begleiter am Lagerfeuer.

Eigene Schafe halten oder Schurwolle kaufen?

Schurwolle können Sie im Wollversand per Internet oder im Fachhandel erwerben. Immer mehr Menschen halten aber heute auch privat Schafe oder Ziegen in ihrem Garten als „natürliche Rasenmäher“. Hier muss jedoch auf eine artgerechte Haltung geachtet werden. Ein Schaf fühlt sich nur in kleinen Gruppen von mindestens zwei bis drei Tieren wohl. Die Wiese muss eine ausreichende Größe haben, ein kleiner Garten wäre hier nicht geeignet.

Im Winter brauchen die Schafe einen Stall, der sie vor der Kälte schützt. Mit Hufpflege und Futter für die Schafe kommen auch regelmäßige Kosten auf den Halter zu. Schafe müssen mindestens einmal, besser zweimal im Jahr geschoren werden, dies können Sie mit dem richtigen Schermesser und ein bisschen Übung auch selbst tun.

Schurwolle verarbeiten

Die frische Schurwolle ist als Vlies anfangs noch ungewaschen, ungekämmt, unsortiert und sehr fettig. In diesem unbearbeiteten Zustand spricht man auch von Rohwolle. Bevor man die Wolle spinnen oder filzen kann, muss diese in verschiedenen Arbeitsschritten darauf vorbereitet werden.

Schurwolle waschen

Der erste Schritt nach dem Scheren der Tiere, ist das Waschen der Rohwolle. Das Lanolin in der Rohwolle, welches die Schafe wie ein Schutzfilm vor Wind und Wetter schützt, muss aus der Wolle heraus gewaschen werden. Der strenge Geruch der reinen Schurwolle, der nach dem Waschen verschwindet, besteht aufgrund des Lanolins in den Tierhaaren.

Damit das Lanolin nicht verharzt und dadurch die Wolle vergilbt muss die Reinigung der Wolle zeitnah nach dem Scheren geschehen. Legen Sie die Wolle in ca. 45° warmes Wasser und warten Sie eine Weile. Hierbei darf die Wolle auf keinen Fall bewegt werden, da sie sonst verfilzt. Die Wolle vorsichtig spülen und dann zum Trocknen ausbreiten. Bei Bedarf wiederholen Sie den Vorgang einfach.

Schurwolle zupfen

Die simpelste und ursprünglichste Form Rohwolle vorzubereiten ist das Zupfen, da man hier keinerlei Hilfsmittel braucht. Es ist aber auch verhältnismäßig mühsam und zeitaufwendig. Sie zupfen ein Stückchen der Wolle mit den Händen hinaus und ziehen diese vorsichtig immer weiter auseinander. Dabei entfernen Sie Verschmutzungen und kleine Knoten.

Schurwolle kardieren

Für das Kardieren der Schurwolle brauchen Sie zwei sogenannte Handkarden. Das sind zwei handliche Bretter mit Stielen für einen guten Griff, die mit vielen kleinen Stahlhacken bestückt sind. Nachdem die Schurwolle auseinander gezogen wurde, wird sie nun stückweise auf eine Handkarde gelegt. Mit der anderen, noch leeren Karde zieht man nun in die gegenüberliegende Richtung immer wieder über die gefüllte Karde, so dass sich die leere Karde immer weiter mit der Wolle füllt. Diesen Vorgang wiederholt man so lange bis die Wolle sauber und gleichmäßig gekämmt ist. Als Alternative zu den Handkarden gibt es auch kleine Kardiermaschinen für zuhause.

Was mache ich mit der Schurwolle von Schafen - Schurwolle verarbeiten

Der Kammzug

Eine ebenfalls einfache Methode, die Schurwolle auf das spätere Spinnen vorzubereiten, ist die Bearbeitung der Wolle mit dem Kammzug. Das Prinzip ist dem Kardieren der Schurwolle ähnlich. Auf einem Wollkamm wird die Wolle festgehakt und dann mir einem anderen Wollkamm vorsichtig immer wieder auseinander gezogen, bis keine Knoten und kein Schmutz mehr in der Wolle zu finden sind. Die langen Wollfasern die durch das Kämmen entstehen eignen sich besonders gut für das spätere Verspinnen der Wolle. Natürlich kann man auch bereits fertig gekämmte Wolle, sogenannte Kammzugwolle in Fachgeschäften erwerben.

Schurwolle spinnen

Mit einem Spinnrad oder mit einer Handspindel können Sie die kardierte und gekämmte Wolle zu einem gleichmäßigen Faden verarbeiten. Dieser Vorgang braucht ein wenig Übung ist aber leicht zu erlernen. Hierbei wird die Wolle zu einem dünnen, gleichmäßigen Faden verarbeitet. Der Faden eignet sich dann zum Stricken oder Weben.

Wolle färben

Mit natürlichen Pflanzenfarben können Sie die Schurwolle nach Ihrem Geschmack färben. Vor dem Färben der Schurwolle ist es notwendig als ersten Arbeitsschritt die Wolle vorzubeizen. Nach dem Vorbeizen kommt dann die Farbe mit ins Spiel. Gelbe Töne erzielen Sie mithilfe von Zwiebelschalen, Grüntöne mit Schilfblüten und Kastanienblättern, Brauntöne mit Walnussschalen. Ein kräftiges Rot erreichen Sie mit der Zugabe von Krappwurzeln. Ihrer Experimentierfreude und Kreativität sind beim Färben keine Grenzen gesetzt.

Kleidung aus Schurwolle waschen und pflegen

Die Unsicherheit, Kleidung aus Schurwolle durch einen falschen Waschgang oder falsche Pflege zu ruinieren, ist oft groß. Bevor Sie Schurwolle waschen, probieren Sie zuerst, die Kleidung einmal kräftig auszuschütteln und zu lüften. Da die Wollfaser Schmutz nur auf der Oberfläche aufnimmt, lässt sich der Schmutz durch das Schütteln in der Regel leicht entfernen. Sollten Sie dennoch die Kleidung waschen wollen, dann ist Fingerspitzengefühl gefragt. Durch zu viel Reibung, Wärme oder Lauge verfilzt die Wolle. Am besten waschen Sie Schurwolle schonend mit der Hand.

Nachdem die Waschmittelrückstände vorsichtig mit lauwarmen Wasser ausgespült wurden, darf Schurwolle nicht ausgewrungen werden. Eine gute Methode um die Kleidung zu trockenen, ist es, sie zwischen zwei Frotteetücher zu legen und vorsichtig trocken zu tupfen. Hängen Sie das Kleidungsstück aus Schurwolle anschließend auf einem breiten Bügel auf. Heute sind viele Schurwolltextilien speziell mit einer Kunstharzschicht behandelt, damit sie waschmaschinenfest sind. Die Schurwolle trägt dann den Zusatz „superwash“. Diese Kleidung können Sie im Schonprogramm bei 30 Grad mit wenig Vollwaschmittel waschen. Aber auch hier sollten Sie vorsichtig sein und darauf achten, dass das Waschprogramm nicht allzu lange dauert.

Kreative Verwendungsmöglichkeiten von Schurwolle

Filzen mit Schurwolle

Schurwolle eignet sich hervorragend zum Filzen von Taschen, Mützen, Stulpen, Hausschuhen oder auch Mänteln. Beim Nassfilzen werden gestrickte Stücke in die Waschmaschine gelegt. Durch das Wasser, die Wärme und die Reibung entsteht aus dem gestrickten Stück ein dichter und fester Stoff. Wichtig ist, dass Sie immer erst ein Probestück filzen, um zu erkennen, wie sich die Wolle verhält und welche Größe das Filzstück später haben wird. Da das Strickstück während der Wäsche stark schrumpft, ist es nicht immer leicht am Ende auch die gewünschte Größe zu erhalten. Um die Reibung der Schurwolle in der Waschmaschine zu verstärken, können Sie zwei Tennisbälle oder eine feste Jeans mit in die Trommel legen.

Nach dem Waschgang muss die verfilzte Wolle, bevor sie trocknet, in die gewünschte Form gezogen werden. Natürlich kann Schurwolle auch ohne Hilfe der Waschmaschine verfilzt werden. Für die Technik des Trockenfilzens gibt es spezielle Filznadeln oder die Rollfilztechnik.

Weben

Mit einem Webstuhl, einem Webrahmen oder einer Webstricknadel können Sie mit Schurwolle wunderschöne Teppiche, Taschen oder Schals selbst gestalten. Im Internet findet man Bauanleitungen für Webrahmen, sodass hier keine großen Anschaffungskosten auf Sie zukommen müssen.

Stricken

Der Klassiker für Wollverarbeitung ist sicher das Stricken. Der kratzige ungeliebte Pullover aus der Kindheit ist passé, heute gibt es eine große Auswahl an guten, weichen Schurwollmischungen. Ob Babysachen, Babydecken oder warme Winterbekleidung: Stricken entspannt nicht nur, sondern ist auch modisch ganz weit vorne. Genau wie Nähkurse werden auch Strickkurse in vielen Wollgeschäften angeboten; bestimmt auch in Ihrer Nähe.