Richtig ausmisten: So verbessern Sie die Stallluft

Schätzungen zufolge leiden rund 80 Prozent aller Pferde an Atemwegserkrankungen.

Ausgelöst werden sie überwiegend durch das stechend riechende und giftige Gas Ammoniak, das bei der Zersetzung von Urin und Kot entsteht. In Verbindung mit Feinstaub dringt es tief in die empfindlichen Pferdelungen ein und kann zu chronischer Bronchitis führen. Um die Ammoniak- und Staubbelastung zu reduzieren, scheint möglichst häufiges Ausmisten der Königsweg zu sein. Doch wissenschaftliche Untersuchungen und Praxistests zeigen: Das Gegenteil ist der Fall. Je häufiger der Stall ausgemistet wird, desto höher steigt die Ammoniak- und Staubkonzentration in der Luft.

Wechsel- oder Matratzenstreu?

Wer sein Mistmanagement im Stall optimieren will, steht also als Erstes vor der Frage: Welche Misttechnik ist die richtige? Wechselstreu und Matratzenstreu lauten die beiden Möglichkeiten, die Pferdeliebhaber in zwei Lager spalten. Während bei der Wechselstreu täglich ausgemistet und neu eingestreut wird, bleibt bei der Matratzenstreu die Grundeinstreu sechs bis acht Wochen lang in der Box. Es werden lediglich Pferdeäpfel und nasse Stellen entfernt und nachgestreut.

Mikroorganismen gegen giftige Gase

Der Unterschied der beiden Einstreuarten macht sich vor allem in der Ammoniakbelastung der Stallluft bemerkbar. Denn in der dicker werdenden Mistmatratze können sich Mikroorganismen entwickeln, die Ammoniak spalten und Stickstoff binden. So werden weniger giftige Gase in die Luft abgegeben. Zusätzlich isoliert der zu Humus werdende Untergrund der Matratze gegen den kalten Stallboden. Voraussetzung für eine hygienische Mistmatratze ist allerdings, dass täglich reichlich nachgestreut wird und die Oberfläche trocken bleibt.

Weniger Staub durch Pellets & Co.

Auch die Wahl der Einstreu ist für die Gesundheit des Pferdes von Bedeutung. Längst hat der Klassiker Stroh zahlreiche moderne Konkurrenten bekommen, die – bei guter Qualität – weniger stauben, die Feuchtigkeit und damit Ammoniak besser binden und zudem die Mistmenge deutlich reduzieren.

Ein Liter Pellets aus gepresstem Stroh saugt beispielsweise bis zu sechs Liter Flüssigkeit auf. Auch Hobelspäne aus unbehandeltem Weichholz sind extrem saugfähig, vorausgesetzt, sie enthalten eine maximale Restfeuchte von 12 bis 15 Prozent. Eine saugstarke Alternative zu Stroh ist auch gereinigtes und entstaubtes Leinstroh. Leinstroh kann bis zum Fünffachen seines Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen. Weiterer Vorteil: Da es natürliche Bitterstoffe enthält, wird die Einstreu von den Pferden in der Regel nicht aufgenommen.

Um die Gefahr durch Staub und Ammoniak zu verringern, gehört last but not least viel Frischluft in den Stall – auch im Winter. Wird das ganze Jahr über regelmäßig gelüftet, können sich die Tiere allmählich auf die kalten Temperaturen einstellen und kommen in guter Stallluft gesund und fit durch den Winter.