Was gibt es bei der Pferdefütterung im Winter zu beachten?

Selbst wenn Pferde an kalten Wintertagen nur stundenweise auf der Weide stehen, sollte dies bei der Fütterung ausreichend berücksichtigt werden. Mit Einzug der kalten Jahreszeit und der Veränderung der Grundfuttersituation muss die Rationsgestaltung bei den Pferden neu überprüft werden. In unserem Ratgeber zum Thema Pferdefütterung im Winter erfahren Sie, was Sie in der kalten Jahreszeit in Bezug auf die Wahl des Futters und bei der Bemessung der Futterationen beachten sollten.

Erhöhte Futterration bei Pferden im Winter

Fachtierärzte gehen davon aus, dass der Energiebedarf von Pferden bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius deutlich ansteigt. Schätzungen zufolge liegt dieser während der Wintermonate um bis zu 25 Prozent höher, als in der übrigen Zeit des Jahres. Bei Vollblütern mit feinhaarigem Fell, wie etwa Arabern, kann der Energiebedarf in dieser Zeit sogar um bis zu 50 Prozent höher ausfallen. Um speziell bei diesen Rassen oder auch bei älteren Pferden ein kältebedingtes Abmagern zu verhindern, kann während der Winterzeit sogenanntes Powerkraftfutter zugefüttert werden. In diesem Zusammenhang sollte dieses einen Energiegehalt von bis zu 14 MJ verdaulicher Energie aufweisen. Bei dickfelligen Robustrassen kann die Zufütterung zur Deckung des Mehrbedarfs geringer ausfallen, da sie durch ihre dickere Unterhautfettschicht besser vor der Kälte geschützt sind.

Futterration an den Bedarf des Pferdes im Winter anpassen

Im Herbst sinkt der Nährstoffgehalt des Grases. Zudem fällt das Gras in dieser Zeit wesentlich rohfaserärmer, feiner und wasserreicher aus. Pferde müssten also strenggenommen wesentlich mehr davon aufnehmen, als während der Sommermonate, um ihren Energiebedarf ausreichend zu decken. Aus diesem Grund sollte insbesondere bei schwerfuttrigen Pferden darauf geachtet werden, dass sie genügend Energie aufnehmen, etwa durch das Beifüttern vonKraftfutter. Umgekehrt kann bei leichtfuttrigen Pferden mit wenig Bewegung das Umstallen in die Box zuÜbergewicht oder zu Hufrehe führen. Daher ist es generell besonders wichtig, die Größe der täglichen Futterrationen an die jeweilige Arbeitsbeanspruchung, das Alter, die Rasse und das Normalgewicht des Pferdes im Winter anzupassen.

Raufutterbedarf orientiert sich am Gewicht des Pferdes

Neben dem bereits erwähntenKraftfutter, ist die Grundlage jeder Ration dasRaufutter. In Bezug auf den täglichen Raufutterbedarf eines Pferdes gibt es in diesem Zusammenhang eine hilfreiche Faustformel: So sollten während des Winters täglich 1 bis 1,5 Kilogramm kaufähiges Raufutter je 100 Kilogramm Lebendgewicht an das Pferd verfüttert werden. Der Raufutterbedarf wird im Regelfall mit entsprechenden Mengen an Heu oder Heulage gedeckt. Für beide Fälle gilt dabei: Genaues Nachwiegen ist besser als eine reine Schätzung. Da bei alten Pferden die Gefahr einer Abmagerung während eines kalten Winters besonders hoch ist, können bei ihnen noch zusätzlichWiesencobbs zugefüttert werden. Leiden die Pferde im Alter unter Kauproblemen, sollten die Wiesencobbs unbedingt einige Zeit vor dem Verzehr in Wasser aufgeweicht werden.

Regelmäßig Tränke im Winter kontrollieren und Salzleckstein für die Pferde bereitstellen

Während der Wintermonate sollte dem Pferd immer frisches Wasser von einwandfreier Qualität sowie einSalzleck- oder Mineralleckstein zugänglich sein. Da im Winter bei Frost auch jederzeit die Gefahr besteht, dass die Zuleitungen der Tränke zufrieren, sollten auch diese täglich auf ihre Funktionssicherheit kontrolliert werden. In diesem Zusammenhang ist es zudem ratsam, auch die Zulaufmenge pro Minute von Zeit zu Zeit zu überprüfen.

Fellwechsel bei Pferden durch erhöhte Nährstoffzufuhr gezielt unterstützen

Während der Wintermonate steht auch der Fellwechsel bei Pferden an. Besonders für ältere Pferde stellt dieser Prozess eine zusätzliche Belastung dar. Durch eine gezielte Zufütterung vonVitaminen- undMineralstoffen kann das Pferd beim Fellwechsel im Winter unterstützt werden. Dazu zählt vor allem das Spurenelement Zink, welches nicht nur an der Bildung von Keratin beteiligt ist, sondern auch nachhaltig das Wachstum und die Zellteilung der Haare und der Haarwurzeln fördert. Weiterhin kann ein zügiger Fellwechsel durch Nährstoffpräparate, die Kupfer, Folsäure und Biotin enthalten, begünstigt werden.

Koliken infolge falscher Fütterung im Winter bei Pferden vermeiden

"Kolik" ist ein Wort, vor dem sich jeder Pferdebesitzer fürchtet. Dabei handelt es sich um keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um einen Sammelbegriff für alle Symptome, die auf Bauchschmerzen beim Pferd hinweisen. Es gibt zahlreiche Faktoren, die eine Kolik auslösen können und in vielen Fällen ist es nicht genau möglich, die exakte Ursache für das Auftreten einer solchen zu ermitteln. Dennoch steht fest, dass das Auftreten einer Kolik häufig durch falsche Fütterung oder durch Futter von minderer Qualität ausgelöst wird. Folglich sollten Sie während der Winterzeit nur qualitativ hochwertigeFuttermittel an Ihr Pferd verfüttern und zudem besonders darauf achten, dass dabei keine gefrorenen Futterkomponenten in den Magen des Pferdes gelangen. Generell ist es in diesem Zusammenhang auch besonders wichtig, dass Pferde bei der Fütterung zuerst dasRaufutter erhalten und dasKraftfutter erst zugefüttert wird, wenn der größte Hunger gestillt ist.

Atemwegserkrankungen während der Winterzeit bei Pferden vorbeugen

Ein schlechtes Stallklima, Staub oder Pilz- und Schimmelsporen in derEinstreu sind häufige Auslöser für Atemwegserkrankungen bei Pferden. Um diesen Erkrankungen gezielt vorzubeugen, empfiehlt es sich, den Stall regelmäßig zugfrei zu lüften und das Einstreuen der Box vorzunehmen, wenn sich das Pferd außerhalb dieser befindet. Daneben sollte darauf geachtet werden, dass die verwendete Einstreu frei von Pilz- und Schimmelsporen ist. Bei Pferden, die zu Atemwegserkrankungen neigen, hat sich zudem das Anfeuchten des Heus vor der Verfütterung als weitere praktikable Maßnahme bewährt. Diese Vorgehensweise gilt auch für andere staubende Futterkomponenten, wie etwa für Hafer. Daneben kann bei Pferden, die besonders häufig von Atemwegserkrankungen betroffen sind, auch der Wechsel von Stroh auf Leinstroh oder auf Strohpellets eine probate Maßnahme darstellen. Weitere Informationen zum ThemaPferdeställe richtig ausmisten: So verbessern Sie die Stallluft.

Anfeuchten des Futters bringt alte Pferde besser über den Winter

Damit auch ältere Pferde gesund und fit durch den Winter kommen, sollte ihre körperliche Verfassung und ihr Konditionszustand mit besonderer Sorgfalt überprüft werden. Während der kalten Jahreszeit besteht bei älteren Pferden häufig die Gefahr, dass sie auskühlen, da sie nur wenig Unterhautfett haben. Erschwerend hinzu kommt noch die Tatsache, dass sie die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe schlechter verdauen können und häufig unter Gebissveränderungen leiden, die ihnen die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren. Folglich ist die Gefahr während der Wintermonate besonders groß, dass alte Pferde verstärkt abmagern. Um dem entgegenzuwirken, sollten Sie dasFutter vor dem Verzehr längere Zeit anfeuchten oder einweichen. Zudem sollte beachtet werden, dass ältere Pferde mit mehreren kleinen, über den Tag verteilten Mahlzeiten wesentlich besser zurechtkommen, als mit zwei großen Mahlzeiten pro Tag.