Keimsprossen - Vitalstoffe von der Fensterbank

Keimsprossen bereichern unser Essen mit ihrem Geschmack und gelten als sehr gesund. Sie lassen sich schnell und einfach in Anzuchtschalen auf der Fensterbank heranziehen und stehen so ständig frisch zur Verfügung. Aber was sind Keimsprossen überhaupt?

Keimsprossen sind Sämlinge, die geerntet werden, wenn sie ihre Keimblätter voll ausgebildet haben. Das Grünkraut wird später geerntet, wenn sich das erste echte Blattpaar bildet. Von Baby-Leave oder Baby-Green spricht man, wenn man junge Pflanzen erntet, bevor sie ihre endgültige Größe erreichen. Das ist zum Beispiel bei Schnittsalaten der Fall.

Die unterschiedlichen Keimsprossen

Zur Anzucht von Keimsprossen werden sehr unterschiedliche Pflanzen verwendet. Eine große Gruppe stellen die Sprossen aus Hülsenfrüchten dar. Am bekanntesten sind Soja-Sprossen bei denen es sich um die Keimlinge von der Mungbohne handelt. Die rotbraune Adzukibohne kennt man auch als Lunja. Außerdem gehören Erbsen, Linsen, Kichererbsen und Alfalfa in diese Gruppe. Sie können alle roh verzehrt werden. Rohe Keimlinge von Bohnen und von echten Soja-Bohnen enthalten aber Giftstoffe, die durch Hitze zersetzt werden. Solche Keimsprossen dürfen darum nur blanchiert, angebraten oder gekocht gegessen werden. Kresse, Rauke und Brokkoli sind Blattgemüse, aus denen man leicht Sprossen ziehen kann. Auch aus Senf, Sonnenblumen, Radieschen und Daikon-Rettich oder Daikon-Kresse, Weizen und Zwiebeln kann man Keimsprossen ziehen.

Keimsprossen haben einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Menschen

Die verschiedenen Keimsprossen unterscheiden sich im Geschmack und Aussehen, aber auch in ihren Inhaltstoffen sehr stark. Was die Sprossen besonders wertvoll macht, sind die sekundären Pflanzenstoffe. Die sekundären Pflanzenstoffe unterscheiden sich von Pflanze zu Pflanze stark. Dabei handelt es sich um biochemische Verbindungen, die nicht am Stoffwechsel der Pflanzen beteiligt sind. Die sekundären Pflanzstoffe sind für die Pflanzen nicht lebenswichtig. Sie dienen der Abwehr von Pilzen, Bakterien und Fressfeinden, zum Schutz vor der UV-Strahlung und zur Anlockung von Bestäubern, wie Bienen. Die sekundären Pflanzenstoffe können einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit haben und haben daher eine besondere Bedeutung für den Menschen. Diese können dabei helfen, den Blutdruck zu senken, Thrombosen zu verhindern, den Blutzuckerspiegel zu normalisieren oder die Krebsentstehung zu hindern. Die sekundären Pflanzstoffe bieten noch viele weitere positive Aspekte.

Seit im Jahr 2011 zahlreiche Menschen vermutlich durch kontaminierte Bockshornkleesprossen an EHEC erkrankten, trauen sich seither viele nicht mehr Keimsprossen zu essen. Inzwischen unterliegt das Saatgut für Keimsprossen aber den strengen Richtlinien für Lebensmittelhygiene. Saatgut, das als Sprossensaatgut angeboten wird, stammt nicht nur aus biologischem Anbau, sondern wird auch auf Salmonellen, EHEC und andere Mikroorganismen getestet. Abfüllbetriebe benötigen heute eine spezielle Zulassung und müssen das Sprossensaatgut gemäß den Hygieneverfahren für Lebensmittel verwenden. Wer spezielles Sprossensaatgut kauft, braucht sich darum um mögliche Krankheitserreger an den Samen keine Sorgen zu machen.

Keimsprossen - Vitalstoffe von der Fensterbank

Sprossen auf der Fensterbank ziehen

Die Sprossen selbst zu ziehen ist kinderleicht. Sie keimen das ganze Jahr über auf der Fensterbank.

Am einfachsten gelingt das in einer Anzuchtschale mit Gitter. Das Saatgut der Sprossen wird auf das Gitter aufgestreut. Um es anzufeuchten, kann man die Samen dann mit Wasser besprühen oder beim Befüllen der Schale das Wasser darüber laufen lassen. Die Schale wird so hoch mit Wasser aufgefüllt, bis das Wasser das Gitter berührt. Das Saatgut darf nicht im Wasser liegen. Die Samen keimen schnell und sind schon nach 3 bis 7 Tagen verzehrfertig. Diese Anzucht-Methode eignet sich für Kresse, Rauke, Alfalfa, Daikon-Rettich, Radies und Zwiebeln.

Größere Samen keimen besser in einer speziellen Sprossenbox. In mehreren übereinandergestapelten Schalen mit Wasserabzug können jeweils ein bis zwei Esslöffel Sprossensaat zum Keimen gebracht werden. Am Boden der Schalen sind schmale Stege, auf denen die Samen von Sonnenblumen, Kicherbsen, Mungbohnen und Weizen aufliegen, während unter ihnen das Wasser abfließt. Die Sprossen werden zweimal täglich gespült, indem Wasser in die obere Anzuchtschale gefüllt wird. Es läuft durch alle Ebenen bis in die Auffangschale nach ganz unten. Diese wird geleert, sobald das Wasser ganz durchgelaufen ist. Täglich nimmt man die Keimsprossenbox auseinander und spült jede Ebene einzeln gründlich unter fließendem Wasser. Bei der Keimung bilden sich bei vielen Sprossen sehr feine weiße Seitenwurzeln, die manchmal für Schimmel gehalten werden. Ihr Auftreten ist aber normal und völlig unbedenklich.