Verarbeitung von Schurwolle: Wie sich Schurwolle weiterverarbeiten lässt

Nähen, stricken, weben oder filzen – das Vorurteil Handarbeit sei nur etwas für ältere Menschen ist längst überholt. Schurwolle von Schafen bietet viele Möglichkeiten, seinem Hobby auf kreative Weise nachzugehen. Dieser Text stellt die vielen Verwendungsmöglichkeiten übersichtlich zusammen.

Ursprung der Schurwolle

Das besondere an Schurwolle: Sie wird direkt vom lebendigen Schaf gewonnen. Damit handelt es sich um ein echtes Naturprodukt. Wegen seiner optimalen Wärmeregulation und einem hohen Tragekomfort ist Schurwolle sehr beliebt. Obwohl es auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, schützt die Wolle unter anderem vor Nässe. Grund ist eine spezielle Verbindung zwischen den beiden Faserteilen „Cuticula“, also der Außenhülle und dem „Cortex“, dem Faserstamm. Nach einiger Zeit nehmen die Fasern allerdings Wasserdampf auf. Das führt dazu, dass die Wolle deutlich an Gewicht zunimmt und lange zum Trocknen braucht.

Schurwolle hat zudem einen eingebauten Reinigungsmechanismus. Grund ist erneut die Faserkombination. Die sorgt auch dafür, dass die Naturfaser Chemikalien absorbieren und neutralisieren kann. Das ist immer dann sehr praktisch, wenn Sie dem Rauch von Zigaretten ausgesetzt sind. Mit der Wolle lässt sich zudem nur schwerlich entzünden und sie wirkt antistatisch – perfekt, um gemütlich am Lagerfeuer zu sitzen.

Schurwolle kaufen oder aus eigener Schafhaltung?

Schurwolle lässt sich über zwei Wege beziehen.

Möglichkeit 1: Über den Wollversand im Internet oder im Fachhandel.

Möglichkeit 2: Sie halten Schafe in Ihrem eigenen Garten. Sie eigenen sich auch als „natürlicher Rasenmäher“. Dabei gibt es aber einige Dinge zu berücksichtigen. Als artgerecht kann nur eine Haltung in Gruppen von mindestens zwei bis drei Schafen bezeichnet werden. Außerdem muss ihr Garten über eine entsprechende Größe verfügen. Im Winter werden die Schafe in einem Stall gehalten. Die regelmäßigen Kosten für Hufpflege und Futter der Schafe sollten sie nicht unterschätzen. Auch das mindestens einmalige, besser zweimalige Scheren der Schafe muss jährlich übernommen werden. Mit ein wenig Erfahrung und dem richtigen Schermesser sollte das aber kein Problem für Sie darstellen.

Arbeitsschritte: Die Wolle nutzbar machen

Schurwolle ist in ihrem Rohzustand als sogenannte Rohwolle noch nicht zu nutzen: Der sogenannte Vlies ist ungewaschen, ungekämmt, unsortiert und sehr fettig. Auf das Spinnen und Filzen bereiten Sie die Wolle mit folgenden Arbeitsschritten vor:

Schritt 1: Waschen

Lanolin hat einen sehr unangenehmen Geruch. Es liegt wie ein Schutzfilm auf der Wolle der Schafe und schützt sie im Alltag vor äußeren Einflüssen. Um die Wolle für den persönlichen Gebrach nutzbar zu machen, müssen Sie das Lanolin aus ihr herauswaschen. Und zwar möglichst bald nach dem Scheren, denn sonst besteht die Gefahr, dass das Lanolin verharzt und die Wolle vergilbt. Sie muss in 45 Grad warmes Wasser eingelegt werden und darf aufgrund der Verfilzungsgefahr unter keinen Umständen bewegt werden. Anschließend spülen Sie die Wolle vorsichtig aus. Falls nötig muss dieser Vorgang wiederholt werden.

2. Schritt: Zupfen

Zupfen benötigt keine Hilfsmittel, ist dafür aber sehr mühsam und zeitaufwendig. Zunächst zupfen sie ein Stückchen der Wolle mit den Händen heraus, um anschließend diese wiederum vorsichtig auseinanderzuziehen. Dadurch wird die Rohwolle für weitere Verarbeitungsschritte vorbereitet und Verschmutzungen sowie kleinere Knoten beseitigt.

3. Schritt: Kardieren

Nun muss die Schurwolle mithilfe zweier sogenannter Handkarden kardiert werden. Die handlichen Bretter mit Stielen zum Anpacken sind mit kleinen Stahlhaken besetzt. Auf die eine Karde wird nun stückweise die gezupfte Wolle platziert. Nun bewegen Sie die zwei Karden in die jeweils entgegengesetzte Richtung. Durch diesen Prozess wird die Wolle sauber und gleichmäßig gekämmt. Alternativ bieten sich kleine Kardiermaschinen an, die es im Fachhandel zu kaufen gibt.

Alternativer 3. Schritt: Der Kammzug

Ein anderes Gerät, mit dem die Schurwolle im dritten Schritt weiterverarbeitet werden kann, ist der Kammzug. Die grundlegende Funktionsweise ähnelt der des Kardierens. Die gezupfte Wolle wird auf dem Kamm fixiert und mithilfe des anderen Wollkamms vorsichtig auseinandergezogen. Ziel ist es, lange, knotenfreie und saubere Wollfasern zu erhalten, die im nächsten Schritt besonders gut versponnen werden können. Wer sich die Arbeit sparen möchte, kauft sogenannte Kammzugwolle im Fachgeschäft.

4. Schritt: Spinnen

Ziel des Spinnens ist es, aus der kardierten und gekämmten Wollen einen gleichmäßigen Faden zu erzeugen. Für diesen Schritt benötigen Sie nicht nur ein Spinnrad oder eine Handspindel, sondern auch etwas Übung. Mit dem erstellten dünnen Faden können Sie dann stricken oder weben.

5. Schritt: Färben

Wenn Sie nicht ausschließlich weiße Kleidungsstücke weben oder filzen möchten, besteht die Möglichkeit, die Wolle mithilfe von natürlichen Pflanzenfarben zu individualisieren. Zuvor muss die Wolle aber gebeizt werden. Mit welchen Pflanzen Sie welchen Farbton erzeugen können, erfahren Sie durch die nachstehende Liste:

  • Gelbe Töne: Zwiebelschalen
  • Grüne Töne: Schilfblüten und Kastanienblätter
  • Braune Töne: Walnussschalen
  • Rote Töne: Krappwurzeln

Seien Sie kreativ!

Was mache ich mit der Schurwolle von Schafen - Schurwolle verarbeiten

Schurwolle waschen und pflegen

Viele Menschen haben Angst Ihre Kleidung mit Schurwolle durch einen falschen Waschgang zu zerstören. Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, sollten Sie sich genau überlegen, ob das Waschen überhaupt nötig ist. Häufig lässt sich der Schmutz auch schon durch kräftiges Ausschütteln oder Lüften entfernen. Im Zweifelsfall ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Gefahr, die Wolle durch zu viel Reibung, Wärme und Lauge zu verfilzen ist groß. Wir empfehlen schonende Handwäsche.

Waschmittelrückstände lassen sich mit lauwarmem Wasser entfernen. Auswringen dürfen sie die Kleidung mit Schurwolle auf keinen Fall! Wie werden die Kleidungsstücke nun trocken? Unser Tipp: Betten Sie sie zwischen zwei Frotteetüchern ein und tupfen Sie die Kleidung vorsichtig trocken. Anschließend sollten Sie sie mithilfe eines breiten Bügels aufhängen.

Die Kleidungsindustrie hat auf diese Problematik mittlerweile reagiert. Sie versetzt Schurwolltextilien mit einer Kunstharzschicht und macht sie somit waschmaschinentauglich. Sie erkennen entsprechende Kleidung an dem Label „superwash“. Sie kann im Schonprogramm bei 30 Grad mit wenig Vollwaschmittel gewaschen werden. Vorsicht ist aber auch hier geboten.

Verwendungsmöglichkeiten - Was tun mit der ganzen Wolle?

Schurwolle Filzen

Eine Verwendungsmöglichkeit für Schurwolle ist das Filzen. Prima lassen sich so Taschen, Mützen, Untersetzter oder auch ganze Mäntel herstellen. Beim Nassfilzen macht man sich die Kraft der Waschmaschine zunutze. Wasser, Wärme und Reibung verwandeln ein gestricktes Stück in kompakten und festen Stoff. Wir empfehlen, immer erst ein Probestück zu filzen. Denn die Wolle reagiert immer anders. Außerdem lässt sich so die Größe des späteren Filzstückes besser abschätzen. Für bessere Reibung innerhalb der Maschine sorgen zwei alte Tennisbälle oder eine feste Jeans.

Anschließend ziehen sie das Stück einfach in die gewünschte Form und lassen es trocknen. Sie können selbstverständlich auch ohne Waschmaschine filzen. Dafür gibt es dann bestimmt Trockenfilztechniken.

Schurwolle Weben

Teppiche, Taschen oder Schals lassen sich am besten mit einem Webstuhl, einem Webrahmen oder einer Webstricknadel gestalten. Keine Angst vor hohen Anschaffungskosten für einen Webrahmen – im Internet gibt es zahlreiche kostenlose Bauanleitungen.

Stricken

Wer beim Stricken zuerst an kratzige und unangenehme Pullover denkt, hat weit gefehlt. Schurwollmischungen sind heute luftig und weich. Besonders für die Herstellung warmer Winterbekleidung eignet sich die Verarbeitungstechnik des Strickens. Strickkurse werden häufig in Wollgesellschaften angeboten – es lohnt sich also, einmal zu schauen, ob es in Ihrer Nähe auch etwas gibt.