Bienenhaltung - 10 Tipps für angehende Imker

Bienenhaltung erlebt einen spürbaren Aufschwung. Honigbienen sorgen für die Bestäubung von Obst und Gemüse, liefern heimischen Honig und tragen zur Artenvielfalt bei. Ohne ausreichende Grundkenntnisse und praktischen Schulungen sollte man sich aber keine Bienenvölker kaufen. Wir geben Ihnen 10 Tipps für angehende Imker.

DIE BIENENHALTUNG IST EINE ZEITINTENSIVE BESCHÄFTIGUNG

Die Bienenhaltung ist eine faszinierende Freizeitbeschäftigung. Interessenten, die den Einstieg erfolgreich geschafft haben, bleiben dem Hobby viele Jahrzehnte treu. Bienenvölker müssen in der Bienensaison (März bis August) allerdings regelmäßig betreut werden. Viele Arbeiten sind an Termine gebunden. Der Zeitaufwand für die imkerlichen Arbeiten ist daher mit der beruflichen und familiären Situation in Einklang zu bringen. Besuchen Sie mal einen Imker aus Ihrer Region, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

WELCHE PERSÖNLICHEN VORAUSSETZUNGEN BRAUCHT EIN IMKER?

Als Neuling sollten Sie neben dem Interesse an der Natur natürlich die Biene als Lebewesen wertschätzen. Ein Bienenvolk besteht, je nach Jahreszeit, aus bis zu 70.000 Bienen. Bei so vielen Lebewesen sollten Sie bei den Arbeiten am Bienenstand immer die Ruhe bewahren können. Hektik wäre hier fehl am Platz. Klären Sie im Vorfeld bei Ihrem Hausarzt ab, ob Sie eine Bienengiftallergie besitzen. Denn auch, wenn man mit einer Schutzausrüstung alle Körperteile vor potenziellen Bienenstichen schützen kann, ist ein Bienenstich niemals völlig auszuschließen. Im Falle einer bestehenden Allergie müssten Sie ein Notfall-Set vom Hausarzt dabei haben. Ein Bienenvolkkasten kann je nach Volksstärke aus zwei bis fünf Zargen bestehen. Ist eine Zarge voll Brut oder Honig kann diese bis zu 30 kg wiegen. Dieses Gewicht sollten Sie heben können.

PROFESSIONELLE ANFÄNGERKURSE SIND EIN BEWÄHRTER EINSTIEG IN DIE PRAKTISCHE TÄTIGKEIT

Theoretische Grundkenntnisse kann man sich heute durch viele Text- und Video-Quellen selber aneignen. Die ersten praktischen Fähigkeiten sollte man sich aber über einen professionellen Anfängerkurs aneignen. Diese Kurse sind nicht teuer und erstrecken sich in fünf bis sieben Terminen durch das ganze Bienenjahr. Erweiterte Kenntnisse lassen sich dann in speziellen Lehrveranstaltungen (Honiglehrgang, Bienenweiden, Königinnenzucht, usw.) aneignen. Neben den Imker-/ Kreisimkervereinen und Bieneninstituten bieten mittlerweile auch schon einige Volkshochschulen Kurse in Theorie und Praxis der Imkerei an. Aufgrund der hohen Nachfrage ist ein frühzeitiges Anmelden sinnvoll.

Organisieren Sie sich in einem örtlichen Imkerverein

Die Mitgliedschaft in einem Imkerverein bietet viele Vorteile. Mit dem Vereinsbeitrag ist man automatisch über den Landesimker- und Bundesimkerverband versichert. Bei Schäden wie Sturm, Frevel, Diebstahl oder Personenschäden haftet die Imkerglobalversicherung. In den Monatsversammlungen der Imkervereine werden aktuelle Themen besprochen, Sammelbestellungen organisiert , Aus- und Weiterbildung für Mitglieder angeboten und ein reger Erfahrungsaustausch gepflegt.

DIE MELDUNG BEI DER TIERSEUCHENKASSE UND DEM VETERINÄRAMT IST VERPFLICHTEND

Ein neuer Bienenstand muss dem zuständigen Veterinäramt mit genauer Lage und der Anzahl der Bienenvölker umgehend gemeldet werden. Durch die genauen Kenntnisse der regionalen Verteilung der Bienenstände kann bei Ausbruch einer Seuche (z. B. Amerikanische Faulbrut) jeder Imker informiert werden. Die Tierseuchenkasse reguliert dabei Schäden, die durch meldepflichtige Bienenseuchen verursacht wurden. Anspruch auf Leistungen haben aber nur Imker, die auch Beiträge bezahlen.

Ein Bienenpate hilft in den ersten Jahren durch die Saison

In der Anfangsphase bieten viele Imkervereine an, sich als Neuimker durch einen Bienenpaten betreuen zu lassen. Ein Bienenpate oder Mentor ist ein erfahrener Imker, der zu allen wichtigen Fragen und anfallenden Aufgaben die passende Antworten und Lösungen hat. Gerade in der Anfangszeit müssen viele Entscheidungen getroffen werden.

Wo stelle ich die Bienenvölker auf? Für welches Beutensystem/Betriebsweise entscheide ich mich? Wie gestalte ich eine bienenfreundliche Umgebung?

WELCHER STANDORT SICHERT DEN BIENEN GUTE LEBENSBEDINGUNGEN?

Gesunde, vitale und leistungsfähige Bienenvölker wünschen sich die Imker. Mit der richtigen Standortwahl können Sie dazu viel beitragen. Vermeiden Sie ein ungünstiges Kleinklima in Senken oder Mulden, auch direkte Flussnähe ist wegen Kältestau und möglicher Hochwassergefahr eher ungünstig. Windgeschützte und sonnige Südost- und Südwestrichtungen sind gute Standorte. Aber auch das Nahrungsumfeld muss stimmen. Bei einer reinen Standimkerei sollte das Nahrungsangebot von März bis Oktober ein pollen- und nektarreiches Angebot bieten.

Warum Bienen in unmittelbarer Nähe eine Wasserquelle benötigen

Bienenvölker benötigen für die Produktion von Futtersaft während der Bruttätigkeit und für die Temperaturregelung an heißen Tagen unbedingt sauberes Wasser. Wegen des Gehaltes an Mineralien wird abgestandenes Wasser von Teichen bevorzugt. Fehlt im Umkreis von 500 Metern eine natürliche Wasserquelle, sollten Sie eine Bienentränke aufstellen.

WAS GEHÖRT ZUR BASISAUSRÜSTUNG EINES NEUIMKERS?

Zur Grundausstattung eines Imkers zählt der Imkeranzug/Imkerjacke, Handschuhe, Stockmeisel, Handfeger mit hellen Borsten, Smoker, Rauchmaterial für den Smoker, ein Wandergurt, 1 Magazineinheit (1 Unterboden, 4 Zargen, 1 Deckel), gedrahtete Rähmchen für die Zargen, Einlöttrafo und für die Rähmchen 2 kg Mittelwände pro Volk. Mit dem Bienenvolkkauf ergibt sich eine Summe von 500,- Euro.

Einige Imkervereine oder Landesverbände gewähren Neuimkern einen finanziellen Zuschuss. Der Antrag für die Förderung muss vor dem Kauf schriftlich beantragt werden.

Eine Ausrüstung für die Honiggewinnung ist im ersten Jahr noch nicht nötig, da der Imkerpate seine Honigschleuder leihweise zur Verfügung stellt. Ansonsten sollte man für die Honigschleuder, Honigsieb, Entdecklungsgabel, Entdecklungswanne, Rührgerät, Honigeimer und Honiggläser ab 1.000,- Euro einplanen.

Für welchen Typ Bienenkasten soll man sich entscheiden?

Als Imkerneuling sollten Sie sich bei der Wahl der richtigen Kästen beraten lassen. Es gibt zur Unterbringung der Bienenvölker viele verschiedene Varianten. Möchte man auch Honig ernten können, sind die Magazinkästen erste Wahl. Ist der Grund der Bienenhaltung schwerpunktmäßig der Naturschutzgedanke, können Sie auf die Bienenkiste oder der Topbar-Hive-Kiste zurückgreifen.

Freiaufstellung, Freistand oder Bienenhaus?

Auch bei der Wahl des Standortes gibt es einiges zu beachten. Je dichter ein Wohngebiet besiedelt ist, desto sensibler sollte man bei der Suche nach einem Standort sein. Beachten Sie kommunale Bestimmungen. Nachbarschaftliche Rücksichtnahme sollte selbstverständlich sein. Ideal ist es, wenn Nachbarn von den Bienen nichts mitbekommen. So kann man bei einem Abstand von 5-10 Metern zum Nachbarn und der Anlage einer 2-3 Meter hohen Baumhecke die Flugbienen zum Hochfliegen zwingen.

Die Aufstellung der Bienenvölker im eigenen Garten hat viele Vorteile. Mit dem Bau eines Freistandes oder Bienenhauses (evtl. baugenehmigungspflichtig) sind Sie beim Imkern witterungsunabhängiger, die Bienenkästen sind länger haltbar, haben Stauraum für das Equipment und verpassen seltener einen ausziehenden Bienenschwarm. Informieren Sie im zeitigen Frühjahr Ihre direkten Nachbarn über die beginnenden Reinigungsflüge der Biene. Die volle Kotblase wird nur wenige Meter vom Aufstellort entleert. An diesen Tagen sollte z.B. keine Wäsche zum Trocknen auf der Wäschespinne aufgehangen werden.

Besitzen Sie keinen Garten oder ist dieser für die Bienenhaltung nicht geeignet, ist eine Fläche für die Freiaufstellung zu suchen. Fragen Sie bei Landwirten, Förstern, Kleingartenvereinen und bei der Kommune nach, oft kann man Ihnen hier weiterhelfen. Eine Freiaufstellung hat den Vorteil, dass man die Bienenvölker auf einer Holzpalette paarweise aufgestellt werden können. Das Magazin-Imkern von der Beutenlängsseite ist für den Rücken am günstigsten. Ein weiterer Vorteil sind die guten Lichtverhältnisse. Je nachdem wie weit der Freistand von Wegen oder Straßen entfernt ist, sollte man an einen Sichtschutz denken, um ungebetene Gäste fernzuhalten. Ein Nachteil ist der fehlende Stauraum, die oft längeren Wege zum PKW und die Abhängigkeit vom Wetter.